Wenn Fachwissen auf Leser trifft: Komplexe Inhalte verständlich erklären
Du kennst dein Fachgebiet und weißt, was du deinen Lesern näherbringen willst oder was dein Produkt leisten kann. Nun möchtest du dieses Wissen weitergeben: auf deiner Website, in einem Blogartikel, in einer Produktbeschreibung oder in einem Whitepaper. Du machst dich ans Schreiben, erläuterst Funktionen und fachliche Hintergründe. Für dich ergibt alles Sinn. Doch verstehen auch Menschen ohne Fachkenntnisse, was du anbietest und welchen Nutzen es für sie hat?
Wer sich lange mit einem Fachgebiet befasst, verliert leicht aus den Augen, was anderen noch nicht vertraut ist. Ein Begriff scheint keiner Erklärung zu bedürfen, ein Zusammenhang offensichtlich. Für deine Leser fehlt an dieser Stelle vielleicht genau die Information, die sie brauchen, um dein Angebot zu verstehen und seine Bedeutung für sich einzuschätzen.
In diesem Beitrag zeige ich dir anhand meiner eigenen Vorgehensweise und fiktiver Beispiele, wie du relevante Informationen auswählst, sinnvoll aufbaust und verständlich formulierst, ohne wichtige fachliche Details zu verlieren. Damit hilfst du deinen Kunden, dein Angebot besser zu verstehen und einzuschätzen, ob es zu ihren Bedürfnissen passt.
Leserperspektive: Was möchten deine Kunden verstehen?
Bevor ich einen Text verfasse, überlege ich zunächst , wer ihn lesen soll. Die Antwort „Menschen, die sich für mein Angebot interessieren“ genügt dabei nicht als Antwort. Denn jemand, der gerade zum ersten Mal von einer Behandlungsmethode hört, hat andere Fragen als eine Person aus der Branche, die bereits ein solides Grundwissen besitzt.
Die erste Frage lautet also: Schreibe ich für Personen aus einer bestimmten Berufsgruppe oder für Endverbraucher? Beide können zur gleichen Zielgruppe gehören und dennoch unterschiedliche Erklärungen benötigen und einen anderen Wissensstand mitbringen.
Überlege deshalb, in welcher Situation deine Leser auf den Text stoßen. Möchten sie ein Problem besser verstehen? Suchen sie eine Lösung? Oder wollen sie herausfinden, ob dein Produkt zu ihren Bedürfnissen passt? Davon hängt ab, welche Informationen du voraussetzen kannst, womit du beginnen solltest und was das Ziel deines Textes sein soll.
Ein Beispiel: Du hast eine Finanz-App entwickelt, die besondere technische Funktionen bietet. Diese möchtest du nun deinen Lesern vorstellen. Für einen potenziellen Kunden wäre es vielleicht zunächst interessant zu wissen, was die App mit seinem Geld macht, welche Kosten entstehen und welche Risiken er möglicherweise eingeht. Diese Fragen geben dem Text eine Richtung. Die besonderen Funktionen, die das Produkt von anderen abheben, lassen sich dann im Anschluss daran ergänzen.
Bei meiner Arbeit frage ich deshalb auch in Gesprächen mit Kunden: Welche Fragen zum Unternehmen oder Produkt tauchen immer wieder auf? Wo entstehen Missverständnisse? Solche Rückmeldungen helfen, den tatsächlichen Informationsbedarf zu erkennen.
Informationsauswahl: Welche Fakten brauchen deine Kunden?
Wenn du viel über ein Thema weißt, fällt es manchmal schwer, etwas wegzulassen. Schließlich gehören all diese Details dazu. Für deine Leser ist jedoch entscheidend, welche davon sie brauchen, um eine Aussage nachzuvollziehen oder eine Entscheidung zu treffen.
Ich lege deshalb zunächst fest, was der Text vermitteln soll. Soll jemand nach der Lektüre einen medizinischen Begriff einordnen können? Die Funktionsweise eines Produkts verstehen? Oder beurteilen können, ob eine Dienstleistung für ihn infrage kommt? Dieses Ziel hilft mir, die Informationen zu gewichten und den passenden Umfang zu wählen.
Ein einführender Artikel über Insulinresistenz muss beispielsweise erklären, was Insulin mit dem Blutzucker zu tun hat und was sich verändert, wenn bestimmte Körperzellen schlechter darauf reagieren. Die einzelnen Vorgänge innerhalb der Zellen lassen sich bei Bedarf vertiefen. Für eine erste Orientierung müssen sie jedoch nicht vollständig beschrieben werden.
Wichtige Voraussetzungen und Einschränkungen dürfen nicht unter den Tisch fallen, wenn der Leser sie zur Einordnung oder Entscheidung benötigt. Um zum Beispiel der Finanz-App zurückzukommen: Für den Leser sind Informationen zu den Kosten, zur Verfügbarkeit des Geldes und zu möglichen Verlusten wichtig. Solche entscheidenden Informationen dürfen nicht der Kürze zum Opfer fallen.
Bei umfangreicheren Themen arbeite ich gern mit mehreren Texten oder Ebenen: Der Haupttext vermittelt die Grundlagen, weiterführende Abschnitte oder verlinkte Beiträge bieten zusätzliche Tiefe. So finden Einsteiger einen leichten Zugang, während interessierte Leser genauer nachlesen und zusätzliche Informationen erhalten können.
Aufbau: Komplexe Themen Schritt für Schritt erklären
Auch sorgfältig ausgewählte Informationen können schwer zugänglich bleiben, wenn ihre Reihenfolge nicht stimmt. Wer eine Erklärung liest, muss den neuen Gedanken mit dem verbinden können, was er bereits weiß.
Bei der Konzeption prüfe ich deshalb, welche Informationen aufeinander aufbauen. Wird ein Begriff verwendet, den ich erst später erkläre? Beschreibe ich eine Folge, bevor die Ursache verständlich ist? Fehlt eine Verbindung, die für mich selbstverständlich erscheint?
Für einen Text über eine Geldanlage kann das bedeuten, zunächst zu erklären, worin das Geld investiert wird. Erst danach folgt, wie die Anlagen ausgewählt und verteilt werden. Auf dieser Grundlage lassen sich die Chancen, Kosten und Risiken besser einordnen. Eine ausführliche Beschreibung des Auswahlverfahrens hilft wenig, solange die Leser noch nicht wissen, was sie eigentlich erwerben.
Zwischenüberschriften unterstützen diese Orientierung. Sie sollten erkennen lassen, welche Frage im folgenden Abschnitt beantwortet wird. „Wann kannst du auf dein Geld zugreifen?“ gibt Lesern beispielsweise einen konkreten Anhaltspunkt, wenn es um die Verfügbarkeit einer Anlage geht.
Eine Gliederung dient mir dabei auch als Prüfung des Gedankengangs. Wenn ich die Verbindung zwischen zwei Abschnitten nicht klar benennen kann, schaue ich genauer hin. Möglicherweise fehlt eine Erklärung oder eine Information steht noch an der falschen Stelle.
Sprache: Fachbegriffe erklären und konkret formulieren
Beim verständlichen Schreiben geht es auch darum, sichtbar zu machen, was abstrakte Begriffe bedeuten. Ein Satz kann grammatisch einfach sein und trotzdem wenig erklären. Die Formulierung „Eine Insulinresistenz beeinträchtigt die Regulation des Glukosestoffwechsels“ setzt beispielsweise voraus, dass Leser bereits wissen, welche Vorgänge genau dahinterstehen und etwas mit den Fachbegriffen anfangen können.
Wenn ich aber davon ausgehe, dass es sich um einen einführenden Gesundheitstext handelt, der sich an Personen ohne medizinisches Vorwissen richtet, wäre folgende Formulierung sinnvoller: „Bei einer Insulinresistenz reagieren bestimmte Körperzellen weniger empfindlich auf das Hormon Insulin. Dadurch nehmen insbesondere Fettzellen und Muskelzellen Zucker aus dem Blut schlechter auf.“ Der Fachbegriff bleibt erhalten und erhält eine Erklärung, an die Leser anknüpfen können.
Ein weiteres Beispiel zum Thema Kaufkraft: „Die anhaltende Inflation führt zu einer signifikanten Reduktion der realen Kaufkraft privater Haushalte“ beschreibt eine Entwicklung sehr abstrakt und kompakt. Doch diese Formulierung ist nicht für jeden leicht verständlich. Besser wird sie so: „Wenn die Preise steigen, kannst du dir für den gleichen Geldbetrag weniger kaufen als zuvor.“ Soll zusätzlich beschrieben werden, ob der Lebensstandard sinkt, muss auch berücksichtigt werden, wie sich das Einkommen entwickelt.
Diese einfachen Beispiele zeigen, wie gezielte Formulierungen dazu beitragen können, komplexe Sachverhalte zugänglicher zu machen: Körperzellen nehmen Zucker auf; Menschen kaufen Waren und Dienstleistungen. Leser können sich darunter eher etwas vorstellen als unter einer „Beeinträchtigung der Regulation“ oder einer „Reduktion der Kaufkraft“.
Beim Überarbeiten suche ich deshalb nach Stellen, an denen der Text einen Vorgang nur benennt. Was passiert genau? Wer tut etwas? Welche Folge hat das? Oft wird die Aussage klarer, sobald diese Fragen beantwortet sind.
Dabei darf eine Erklärung durchaus etwas länger werden. Zwei nachvollziehbare Sätze können hilfreicher sein als ein kurzer Satz, in dem mehrere unbekannte Begriffe zusammenkommen. Entscheidend ist, ob Leser dem Gedanken folgen können.
Prüfung: Bleibt der Text verständlich und fachlich genau?
Nach der sprachlichen Überarbeitung prüfe ich erneut die inhaltliche Aussage. Gerade beim Vereinfachen können wichtige Informationen verloren gehen, die für die Einordnung wichtig sind.
Ein Beispiel aus dem Finanzbereich ist die Diversifikation. Der Satz „Eine angemessene Portfoliodiversifikation reduziert das unsystematische Anlagerisiko“ lässt sich verständlicher erklären: „Wer sein Geld auf verschiedene Unternehmen, Branchen und Anlageformen verteilt, hängt weniger davon ab, wie sich eine einzelne Anlage entwickelt. Dadurch lassen sich bestimmte Risiken verringern.“
Dabei ist die Ergänzung im zweiten Satz, dass auch eine breit gestreute Anlage an Wert verlieren kann, wichtig. Würde ich den Absatz vereinfachen und lediglich schreiben: „Mit einer breiten Streuung ist dein Geld sicher“, wäre eine wichtige Grenze verloren gegangen und die Aussage wäre inhaltlich nicht mehr korrekt. Gerade wenn ein Text ein Produkt vorstellt, müssen Nutzen, Voraussetzungen und Risiken klar erkennbar und unverfälscht bleiben. Nur so können Interessenten einschätzen, was das Angebot für sie bedeutet.
Bei Fachthemen gleiche ich deshalb die überarbeiteten Aussagen mit dem Ausgangsmaterial und geeigneten Quellen ab. Offene Fragen kläre ich mit dem Auftraggeber oder den zuständigen Fachleuten. Anschließend lese ich den Text noch einmal aus der Perspektive einer Person, die das Thema nicht kennt: Sind alle notwendigen Begriffe erklärt? Ist klar, worauf sich eine Aussage bezieht? Bleibt eine Frage offen, deren Antwort für die Entscheidung wichtig wäre?
Wenn möglich, hilft zusätzlich eine unbeteiligte Person. Die Frage „Was hast du nach dem Lesen verstanden?“ kann dabei aufschlussreicher sein als ein allgemeines „War der Text verständlich?“. Die Antwort zeigt, welche Botschaft tatsächlich angekommen ist.
Fazit: Fachwissen für Kunden zugänglich machen
Komplexe Inhalte verständlich zu erklären, verlangt einen genauen Blick auf deine Leser und auf das Thema selbst. Wer Kunden und Interessenten erreichen möchte, muss erkennen, welches Vorwissen vorhanden ist, welche Informationen gebraucht werden und in welcher Reihenfolge sie nachvollziehbar werden. Eine klare Sprache macht diese Zusammenhänge zugänglich, während die fachliche Prüfung dafür sorgt, dass wichtige Bedingungen erhalten bleiben.
Genau auf dieses Zusammenspiel achte ich, wenn ich Fachwissen für einen Text aufbereite. Die Leser sollen verstehen, was du anbietest, welchen Nutzen es für sie haben kann und wo die Grenzen liegen. Wenn du Unterstützung bei der Texterstellung oder Überarbeitung möchtest, helfe ich dir bei Text-Politur dabei, dein Fachwissen für deine Kunden verständlich aufzubereiten.
